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Lichtwerdung und Sichtung des Weltbewusstseins

 

II/III

Der Rückverweis auf Hegels „Phänomenologie“, hier: „Das geistige Tierreich und der Betrug oder die Sache selbst“ hilft in Bezug auf die versammelte Staatenwelt im globalen Zeitalter erkenntnistheoretisch weiter:

Gewissheit der Vernunft und ideelle Auslegung auf neues Staatsdenken hin (sozusagen von Descartes zu Kant, vom „Cogito“ zu den „Ideen“ und hegelsch ideell zum Staat der Vernunft, „zum Gang Gottes auf Erden“!)

  • Das Beobachtungswissen „Natur“ als kollektive Gemeinsamkeit

Organische Lebenszusammenhänge der Natur verstehen

Ableitungsfähiges Wissen von  sich rein funktional gewinnen

Ortungsversuche der geistigen Handlungswirklichkeit

  • Das Erfahrungswissen „Mensch“ bezüglich individueller Selbstverfehlungen

Auf „Wissenkönnen“ verzichten

Sich für das „alleinige Herz“ der Welt  halten

Anstrengungen der Wirklichkeit „utopisch parallel“  konterkarieren

  • Reflexion auf Werksgestalt der Vernunftgabe (von Karl d. Gr. bis Kaiser Franz II.)

Eine Gestalt des Sich-auf-sich-selbst-Beziehens entwickelt sich

Gaben der Natur und Talente des Menschen kommen zusammen

Befreiung individueller Kräfte im Reich schreitet voran

Das Allgemeine für alle gewinnt sich von der Außengefahr her

Einzelnes und Allgemeines halten sich unmittelbar für die „Sache selbst“

Lug und Selbstbetrug entsteht und keine geordnete Rechtsgewalt

Am Ende der Selbstwidersprüchlichkeit und äußeren Feinden erlegen

 

Ich verzichte  auf  Erläuterungen, da für den exegetischen Zugriff das Wesentliche ausgesagt ist und auch detailreich wie auch skurril in Hegel-Interpretationen nachgelesen werden kann.  Wichtig für die Staatsidee scheint mir phänomenologisch für die vernünftige Operabilität des Staatswesens der Verstand hinsichtlich der „Rechengesetze“ (was die Verstandeskraft zu leisten imstande ist!), die das Ungefähr in Planungen, Unternehmungen und Verwaltungen rationalisiert.  Doch für die fortdauernde Anerkennung, was die intelligente Selbstorientierung in Wahrheit angeht, ist die Bedeutung von eigentümlichen „Sprachspielen“ her nicht ausgeleuchtet worden.  Ein Staatswesen, unfähig, sich nach den Rechengesetzen auf das Ganze hin zu verhalten und operativ auszurichten, erliegt der Willkür und Irrationalität, endet in Auflösung, verwildert unberechenbar und gerät in eine hitzeverdächtige Anarchie. Auch die Anerkennung zerbröselt,  spricht das wahrheitsbasierte Allgemeine nicht  vernünftig klar und deutlich als das gesetzlich zu Befolgende an, vermag nicht mehr sachgerecht das Widerstreitende von Interessen diplomatisch aufzulösen und das zu pflegende Gemüt zwischenmenschlicher Beziehungen herzlich zu verbinden. Rein vom Sprachspiel her setzt Hegel allerdings die philosophische Zäsur. Ihm ist nicht die „Welt als Wille und Vorstellung“ (Schopenhauer), als bloßes Vermögen der Einbildungskraft oder imperativisch für die Menschenwelt als „Postulat der Moralität und Vernunft“ in den gebotenen Pflichten (Kant), sondern die Welt des Staats der Vernunft als „Wille“ des hervorgebrachten „Rechts“ und der „Gesetze“, das Medium der Lebenswirklichkeit des Menschen: Notwendigkeit und Freiheit für das Handelnkönnen  vereinend.

 

Von Kant geht der Auftakt des neuzeitlichen Idealismus aus. Die Schneisenschläge: Drei Kritiken revolutionieren das überkommene Gottesdenken und leiten die anthropologische Wende ein. Mit dem „Machen“ als „Lebensproduktion“ (Marx) selbst hapert es noch. Das Erkenntnisvermögen in seiner rational-empirischen Leistungsfähigkeit wird untersucht, das Vermögen des Willens wird in moralischer Hinsicht bestimmt, die Urteilskraft der „Poiesis“   auf „Erhabenes“ der daseienden Natur und „Schönes“ der menschlichen Kunst auf das Geschmacksurteil  reduziert, ist noch nicht die Kraft des werkaufschließenden Ur-Teils, was Zweck und Mittel durch Ableitung des Beobachteten für das schöpferische Hervorbringen und Gestaltenkönnen wesentlich betrifft:

 

 Wenn a, dann folgt b;

 b soll sein, a ist herzustellen.

 

Beobachtung schließt Experiment und Introspektion ein, scheinbar verschieden, doch nur unterschieden, im Wesen identisch, drei Momente eines begrifflich beziehungsweise ideell Ganzen, Hinsichten, die je die beiden anderen in sich voraussetzen, nämlich etwas beobachten (bestätigt zu bekommen) und etwas in Erfahrung (herausbringen zu wollen) bringen und wissen (herausfinden) wollen, hier äußerlich (sichtbar), da innerlich (denkbar, die unsichtbare „Hälftigkeit“ ergänzend), selbstbezüglich noch einfacher Quellgrund, der Mensch selbst.  Jedes Moment kann nicht ohne die beiden anderen zum Wissen führen. Sie sind ineinander verschlungene Kreise der Wissensermöglichung. Es läuft immer auf das Gleiche hinaus, welcher Gedanke auch bestimmend ist, Dingen auf die Spur zu kommen, es ist „Beobachtung“ vonnöten, ob augenscharfer Zeuxis, der genau hingeguckt hat, selbstkundiger Augustinus, der in sich hineingeschaut hat oder konstruktbildender (geometrieabgleichender) Kopernikus, der das sichtbare Segment extrapoliert beziehungsweise vervollständigt hat.

 

Hegels „Phänomenologie“ ist in toto eine Revision beziehungsweise ein Neudenken der ganzen Transzendentalphilosophie Kants in ihren drei Teilen, nun in einem Ganzen. Er bringt ideell zusammen, ordnet neu, konfiguriert und führt begrifflich aus,  was Kant noch zusammenhangslos auseinanderfällt. Ein Vorschriftendenker letztlich, bei dem das Denken auf bloßes Subsumieren schrumpft und neue Ableitungsschemata vom Himmel fallen und die alten unzureichenden ersetzen.  Hegel mutet das wirkliche Selberdenken zu, fordert es nicht nur ein, sondern fordert gleich das Mitdenken und die Selbsteinlassung auf sein Philosophieren heraus.

 

Der erste Komplex der „Phänomenologie“ holt einen  revisionierten Kant ein. Die Gestalt des Bewusstseins legt den Weg zum universellen Erkenntnisvermögen frei, die Gestalt des Selbstbewusstseins nimmt die Ermöglichung und Tatsächlichkeit der Willenskraft in die relationale  Betrachtung und die Vernunftgestalt zeigt strukturell das Zusammengehen wie auch die Selbsterfahrung der Akteure an einer fast tausendjährig erfassten Lebenswirklichkeit auf. Was die Abstraktion der „Phänomenologie“ verschluckt, lässt sich in Hegels „Jugendschriften“  (auch TWA 1) als exponierte Reflexion und Urteilsbildung wiederfinden.

 

Was Hegel rekonstruiert hat, bringt uns einen Spiegel auf die heutige Welt, sei es in den Herausforderungen auf die EU bezogen oder auf die heutige Weltlage überhaupt. Hegel hat den „formellen“ Komplex der Kantrevision „inhaltlich“ von der Antike her bis zur revolutionären Zäsur samt aufscheinendem Idealismus einer zu vollendenden „Aufklärung“ fortgeführt, den Nachweis des menschlichen Lebensgeistes der anhebenden Vernunft unter der Gestalt der Religion, der jeweilig „gestaltenden“ Rückbindungswirklichkeit herausgearbeitet: natürliche Religion: Lichtwerdung – Rollenbestimmung – Werkschaffen, Kunstreligion: Sprache – Kultfeste und Selbstdarstellung - Pantheon , offenbare Religion: Passionsgeschichte – Gemeindeerfahrung – Selbstkatharsis  – Open End, geführt und das rücksichtlich verdichtete Ganze im Übergang auf kategoriale Ausführungsabsicht für Wissenschaft der Logik, Naturphilosophie und Geistesphilosophie angezeigt und Jahre später das Ganze „enzyklopädisch“ eingelöst.

 

Wichtige Grundgedanken, die heute in der politischen Welt, die eine abstrakte geworden ist, betreffen den begrifflichen Dreischritt von Erkennen, Wollen und Handeln in der unabdingbaren Zusammengehörigkeit. Anders gefasst, es geht um Sachverstand, Selbstbetroffenheit und Verfahrensgang. Noch einmal gewendet, die Lage in den Herausforderungen für Transparenzbedarf gekennzeichnet: Ein Sachproblem liegt vor, Interessenkonflikte fließen ein, Lösungsoptimierungen in den Möglichkeiten der Sache  und der allseitigen Einstimmung wie auch Widersprüche und Einsprüche sind für den Weg zum Lösungsziel aufzuheben. Wer nur unmittelbar den Kopf für den Kampf um das tägliche Brot frei hat, ist für den Traum dispensiert, die Fesseln der Gefangenschaft abzustreifen, Kritik gilt dem Karrierehunger, der das Talent in der Sache dem Aufstiegswahn opfert, nicht sich für den Blick auf das Ganze freimacht, um konstruktiv mitzuwirken. Abgesang sollte zuhöchst Verantwortliche treffen, die sich wie Kork auf schäumenden Wellen treiben lassen und keinen Ausguck für das wahrzunehmende Ganze mehr haben.

 

Das demokratische Publikum vermag auf Denken und Tun der politischen Akteure, aber auch auf mediale Wesentlichkeit zu reflektieren, es vermag auf schlüssigen Zusammenhang die begriffliche Stichhaltigkeit zu prüfen, es kann wissen, was es von wohlfeilen Absichten, Lösungen und Versprechungen zu halten hat und es kann, sollte und müsste auch Konsequenzen aus Unhaltbarkeit und Unfähigkeit  ziehen. Wie so häufig besteht der größte Fehler darin, sich aufgeregt an Kleinigkeiten für dies und das abzukämpfen und wie blind offensichtliche Ungeheuerlichkeiten hinzunehmen. Die Übersichtlichkeit muss nicht leiden, wenn sie denn für den vernünftigen Überblick zur Urteilsbildung hinsichtlich politischer Zielumsetzungen und medial reeller Darstellung und unverstellter Vergleichbarkeit überhaupt  gefragt ist.

 

Hegel ist schon die Wirklichkeit eines „Sprachspiels“ für sich allein, um den revolutionären Akt des Denkens, der Kants transzendentale „Revolution der Denkungsart“ absolut und wirklich ideell aufhebt, begreifen zu können. Das Traktieren in diesem Sprachspiel muss heute nicht mehr sein. Doch der Verweis auf leichtere Kost im Hinblick auf „Religionsphilosophie“ und „Geschichtsphilosophie“ sei erlaubt, da deutscher Bildungskanon mehr Interesse für „teutsche Anfänge“ und westliche Aufstiegsgeschichte denn auch für die östliche Hemisphäre gezeigt hat. Hegel ist wirklicher Weltphilosoph hinsichtlich der überlieferten Welt in toto. Er bietet kein malerisches Touristenpanorama, sondern die gedankliche Durchdringung all der greifbaren Zeugnisse in seiner Zeit aus aller Welt als Fortschrittsgeschichte des Bewusstseins der Freiheit. Mit Blick auf das „Koordinatenkreuz“ und den Entfaltungsstufen des Geschichtsbewusstseins stellt sich die Frage ein, was denn vor China und noch weiter zurück einzufangen wäre, ebenso, da er doch nur Anfänge der industriellen Revolution erlebt und die eurozentrischen Strebungen des politökonomischen Imperialismus in alle Welt nicht mehr erlebt hat, welcherart Einsicht in die Lage das Bewusstsein eines „Weltgeistes“ uns heute gibt. Ich denke, diesem Bedürfnis nach gediegenem Überblick trägt Yuval Noah Hararis „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ Rechnung und ermöglicht für unsere Reflexion ein philosophisches Nachfassen, wie denn selbstbewusst ein „Rechtswille“ zu erfragen und wie denn vernünftig mit dieser neuen Bewusstseinslage an Implikationen umzugehen ist! Vom explorativen  Sachinteresse her fehlt es an der Promotion der Projektfortschreibung, die sich mit dem „Club of Rome“ verbindet: Menschheit am Wendepunkt“. Fragen der Ressourcen, des Klimas in der Welt genügen nicht, es muss auch um die Rechte der Völker, dann um interkontinentale Zusammenschlüsse zu tun sein, die synergetisch neue Handlungsebenen gegen verselbstständigten Demokratismus eröffnen und konstituieren. Wir leben global im Provisorium.

 

Ein denkwürdiger Kontrast im Hinblick auf die Grafik, die auf den „Ptolemäer“ verweist und nicht sich mit „kopernikanischem“ Sieg gegen die Erdscheibe schmückt. Das Buch der Natur (auch der Mensch als Natur!) ist in Mathematik geschrieben und der Siegeszug gegen Götter und Gottesdichtungen geht in den heutigen Schlüsselgewalten weiter: Atom – Spaltung und Fusion, Gene – DNA und Chromosomen, Bit – Algorithmus und KI. Kopernikaner und ihre Phantasien auf dem Vormarsch! Was heißt schon Siegeslauf dieses Gedankenriesen, der das Bewusstsein plötzlich anthropozänisch in den Auswirkungen auf den blauen Planeten befremdet und ohne Gegenkraft und Kontrolle ist!

 

Auf dem Feld der Philosophie ist Kant ein markanter Knotenpunkt der Fehlentwicklung gewesen, der alles andere als ein philosophischer  Vorstand der erfolgreichen Macht der Naturwissenschaften gewesen ist, aber dem allmächtigen Gott als mögliche Gegenkraft und möglichen Gegenspieler zum naturwissenschaftlichen Ingenium der Menschen  das  Rückgrat der eingeredeten Existenz zerbrochen hat. Die Spitze der Revision schlägt sich im Subjektivismus der Moralität nieder, die in der Welt  Gebote und Sollen, aber keine unabdingbar zu befolgenden Gesetze und Zwänge mehr auferlegt. Der kategorische Imperativ, als oberste Richtschnur dem Selbstdenken zugemutet, verkennt darin die entstehende Beliebigkeit, Willkür und Überforderung der Individuen, sozusagen im luftleeren Raum, aber in einer reell verknüpften Welt stehend, vorgabefrei und anlehnungslos Entscheidungen treffen zu  sollen. Eine atomistische Schlüssigkeit ließe sich nicht abstreiten, aber sie wäre dogmatisiert und reell der Weg in den individualistischen Anarchismus, unentschieden darin, ob gegen das Diktum, dass der Mensch des Menschen Wolf sei, nun der Mensch des Menschen Heil ist oder bloß ein Selbstbetrug oder Etikettenschwindel vorliegt.

 

Der absolute Idealismus Hegels hat eine angemessene Antwort auf die  neue Geschichtslage gefunden und Natur und Geist vernunftbezogen dargelegt und  begrifflich vermittelt. Er hat Kant nicht nur wesentlich aufgehoben, sondern ist bis  heute, was den Zusammenhang des Ganzen betrifft, unaufgehobene Philosophie der Welt, der Natur und des Menschen, in fortgeschrittener Aussagekräftigkeit, ein noch zu bergendes Welterbe für alle Länder und Völker der Erde, auf               „Welt-mon-archie“ hinaus, das Humanum in seinen verfassten Werten internationaler Gerechtigkeit von Recht und Pflicht als Gegenkraft  zu kapitalistisch verwissenschaftlichter Investition und Rendite im Ausgriff auf die Natur! Wer versteht die Notwendigkeit des Gleichgewichts nicht, die aus der Balance der Kreisläufe von Naturwelt und Menschenwelt das Steuerungssystem bestimmen muss! Die Weltmeere sind nicht mehr groß genug, allen Schmutz der Erde zur Unwesentlichkeit zu tilgen. Die Ressourcen signalisieren der ausgebauten Maschinerie Endlichkeit und gleichen wie nach dem „Goldrausch“ verlassenen Goldgräberstädten, dem Rückfall auf Einöden, auf kümmerliche Lebensreste ganzer Landesteile. Die gereizten Klimate stören und bedrängen einander und lassen meteorologische Furienentfesselung auf die Erde los und stehen in unheiliger Allianz mit den ausgeplünderten Kraterlandschaften, dem Landunter, dem Verlust an Lebenschancen, vielleicht nicht einmal mehr eine Hallig.  Vom Rigorismus seiner Reibungsverluste gegen die Sozial- und Völkerverträglichkeit nicht mehr zu reden. Die Apologie des Erfolgs stützt sich auf unreflektierte Statistik.

 

Der Ptolemäer, nur scheinbar kopernikanisch bezwungen, kommt durch den Eigenwert des blauen Planeten ins Spiel. Ihn für widerlegt zu halten, weil dem Ptolemäer die Sonne „aufgeht“ und „untergeht“, verkennt die erdgebundene Sinneswahrnehmung, verkennt die Biologie des Menschen, die ihn lebenstüchtig für die Erde gemacht hat, eine Erde, die der Mensch vom Erleben her noch gar nicht richtig erfasst, voll ausgeschöpft und in sich aufgenommen und vernünftig begriffen hat. Nur andeutungsweise ist ihm die andere Hemisphäre in Umkehrung der Jahreszeiten und mit einem anderen Sternenhimmel bewusst. Sein Bewusstsein ist nord-westlich dogmatisch, schon gar nicht süd-östlich, diese Hemisphäre als notwendiges Gegenstück begreifend, einem überforderten Machtanspruch in der Globalität entgegen. Stattdessen regiert unipolare Machtbehauptung, für die es nur des Verstandes und nicht der Vernunft bedarf. Eben darum nicht nur kriegerische Vorbereitung, auch sogleich ein ganz neues Ziel der extravaganten Rückversicherung, die den „oberen Zehntausend“, kapitalkräftig genug, gilt,  potenzielle Flüchtlinge zu den Sternen!

 

Es scheint nun so, als richtete sich die Argumentation gänzlich gegen das kopernikanische Bewusstsein. Dem ist nicht so, sondern es geht um eine angemessene Verhältnissetzung von Wichtigkeit. Sie betrifft das Verhältnis von Einzelheit und Allgemeinheit, von Lokalität und Globalität, von Erdenwelt und Sternenwelt. Es geht um Vermittlungsregulative,  um beiden Seiten in den Notwendigkeiten, die sie füreinander haben und wahrzunehmen gehalten sind, freiheitlich gerecht zu werden und gemeingefährliche Schieflagen, die durch Zufälligkeiten von mächtigen Quertreibern und Hasardeuren entstehen und durch eine desorientierte Weltöffentlichkeit reinspielen können, zu vermeiden.

 

Dieser Sachverhalt einer Welt am Vorabend revolutionärer Prozesse führt noch einmal auf Hegels „Phänomenologie“ zurück, deren Analyse des „geistigen  Tierreichs“ – dem reell die tausendjährige Geschichte der deutschen Reichsverfassung zugrunde liegt  –  sich auf die gegebene Weltsituation übertragen lässt. Hegel hat den Lug und Trug im geistigen Tierreich an der „Sache selbst“ festgemacht, die jeder für sich betreibt. Alle kochen ihr eigenes Süppchen, sind ganz ehrlich, sie in großer Reinheit für sich zu betreiben. Dass dies so sein kann, liegt daran, dass kein gemeinsam konstituiertes Recht für alle die Willkürfreiheit auf das Recht und Pflicht aller zurückbindet. Für Heutige verständlicher: Kaiser „Pax America“ und seine westlichen Vasallen verhalten sich alle danach, was für sie die „Sache selbst“ ist. Kaiser Franz II. hatte damals, als seine Vasallen mit dem Gegner, rechtlich einwandfrei, gemeinsame Sache gemacht haben, die Krone des deutschen Reiches niedergelegt. So auch Präsident Trump, der sein „America First“ vom Stapel gelassen hat. Er hat dem Spiel aller, sich mit ehrlicher Miene gegenseitig zu betrügen, ein Ende gemacht und den Tiger des Deals, der auch die Krallen hervorzeigt, gemeingefährlich zu spielen begonnen.

 

Es muss mehr als ein historischer Vergleich herauskommen. Ohne Verfassung, die von allen in Rechten und Pflichten getragen wird, läuft nichts. Die Verfassungslösung hat einen geistesgeschichtlichen Hintergrund, der in der griechischen Polis als Widerstreit seinen Anfang genommen hat. Wozu doch Kunst gut ist: Antigone und Kreon, altes göttliches Recht des sittlichen Gewissens hier und neues menschliches Gesetzesrecht des Königs da stehen einander widersprüchlich gegenüber. Dass für das Handeln ein Dilemma entstehen kann, daran hat das Denken keinen Gedanken verschwendet und auf Vermittlung und Widerspruchsbereinigung durch alle hingearbeitet. Die Wichtigkeit einer Verfassung für alle ist nicht erkannt worden, um den tragischen Widerstreit von Gewissensstimme und Behauptungswillen durch eine vernünftige Vermittlungsgröße,  durch ein schlüssiges und rechtlich bindendes Regelwerk aller aufzuheben. Statt einer politischen Lösung in der Konsequenz der Einsicht die theatralische Fortsetzung, ehrfurchtgebietend, an Furcht und Mitleid appellierend, dramatisch genossen, ein „Kassenschlager“.

 

Die Thematik einer übergreifenden Verfassung schreibt sich mittelalterlich lehnsstaatlich bis in die Neuzeit hinein unrein fort, so als kaiserliches und päpstliches Anspruchsverhalten bis in die Religionskriege hinein oder als Stützungsbedürfnis von Thron und Altar und gar von Macht und Akzeptanz überhaupt, ein Konkordat zu schließen. Wer in die anderen Kulturkreise hineinschaut, entdeckt die gleiche Grundproblematik wieder, die wesentlich und konflikthaft in der kulturell bzw. religiös überkommenen Anpassung und Mentalität der Menschen zu den herrschenden Oberschichten besteht und die durch zivilisatorische Vernetzung Verschärfung erfahren hat und noch immer erfährt. Kants Philosophie ist schon erwähnt worden, die das ideelle Ganze der Teile nicht zum Begriff zusammenbringt und durch das intonierte „Selberdenken“ überfordert und das Denken auf Beliebigkeit der Denker bringt. Der Anarchismusverdacht hat Berechtigung und hängt am Selberdenken, nicht unbedingt falsch, wenn es denn zugleich auch auf das Selbst-Denken zielte, sich selber dafür Anstrengungen zuzumuten,  um vom zu bestimmenden Selbst her, von der vernommenen Vernunft aller her zu denken. Kants Selberdenken steht für die sogenannte „Sache selbst“, die alle ganz selbstverständlich für sich betreiben, seinsbewusst, nicht seinsvergessen. Der empirischen Induktion verhaftet, unterläuft er die absolute Deduktion, das erkennbare wahre Ganze dem Denken aufzugeben. Stattdessen: Phantasievolle Nachhilfe ist erlaubt, die Einheit der Welt im Unendlichen anzunehmen,  auch zur Zweckmäßigkeit trotz unheiliger Verhältnisse geadelt. Im Ernst: Wer vermöchte der modernen Staatenwelt mehr als solches Seinsbewusstsein auf der Weltbühne heute zusprechen, tauchen doch überall, sobald in eigener Sache betroffen, die sich Vorwagenden gleich „realpolitisch“ wieder ab, kommt beachtlicher Gegenwind auf. Und sie nehmen die „Sache“  und sich „selbst“ demoskopisch sehr ernst! Sie riskieren das Fehlen von Übersicht und  Einsicht in den Zusammenhang, verzichten darauf, das große Ganze rational, mental und vernünftig denken zu müssen. Wir können zuschauen, was das Zulaufen auf die Klimakatastrophe, die Tollhäuser der Kopfgeburten oder die kafkaeske Big Brother-Überwachung angeht.

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